Die Handweberei Rosenwinkel in Reckershausen

In der Handweberei, denke ich, war ich schon mal. Es muss vor gut 15 Jahren gewesen sein, in einer Sackgasse lag sie, ich erinnere mich an farbenfrohe Stoffe, wunderschöne Decken.
Wir kommen vor Ort an, parken auf dem großen Parkplatz und gehen zu Fuß in das Nebengebäude vom Rittergut Besenhausen. Nein, stelle ich fest, das hat sich verändert! Und tatsächlich ist die Weberei, die ich noch in Erinnerung hatte, 2004 umgezogen. Der Platz jetzt ist malerisch, die große Scheune imposant. Wir gelangen in einen großen Verkaufsraum, in dem man außer leisem Geklapper von oben nichts hört. Erst als wir die Treppe hochgehen, sehen wir, worum es eigentlich geht: mindestens 5 große Webstühle stehen hier und werden von Frauen, die unterschiedlicher nicht sein können, genutzt. Da ist die pensionierte Weberin aus Braunschweig, die ehrenamtlich mitarbeitet. „Gutes Tun bedeutet TUN, nicht reden“, sagt sie. Sie steht natürlich auch als Ansprechpartnerin zur Verfügung, wenn die anderen Frauen Fragen haben. Die anderen? Das sind Frauen, die hier ihren Wiederarbeitseinstieg erproben. Es sind ausschließlich Frauen. Manchmal sind sie auf dem ersten Arbeitsmarkt schwer in Arbeit zu bringen, sie haben ein Handicap. Manchmal sind es Frauen, die hier einen Workshop gebucht haben oder Frauen, die ein längeres Praktikum absolvieren. Eine Stoffdesignerin ist auch hier, sie hat einen Akustikstoff entwickelt, der gerade in die Vermarktung geht. So bunt wie die Stoffe, so unterschiedlich sind hier die Begabungen und Temperamente.
Ich bin beeindruckt. Ein sozialer Betrieb, bei dem die gemeinsame Arbeit Aller wirklich stattfindet. Praktische, kreative Webarbeit bietet sich dafür an! Frau Sylvia Hesse strahlt mich an: „ja“, sagt sie, „ es ist wunderbar! An diesem Ort wird gleichzeitig integrativ und kreativ miteinander gearbeitet, und Sie sehen, es funktioniert!“
Als ich dann noch abends Gast bei einem Chorkonzert sein darf, für den der Verkaufsraum zur Verfügung steht, bin ich begeistert. Ich weiß, dass die Handweberei, von einem umsichtigen Vorstand (Frau Sidio) begleitet, auf die Liste der Friedländer Schätze gehört.
Karin Wette

Updated: 15. Mai 2014 — 13:02
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